|
Vogelgrippe bei Katzen
|
|
|
|
Die Katze - der schwarze Peter der Vogelgrippe
CDU-Landwirtschaftsminister Horst Seehofer sagt, mit dem Fund des toten, mit dem H5N 1 Virus infizierten, Katers auf Rügen sei dieses gefährlich nahe an den Menschen rangerückt, was der Fund zwei weiterer, gleichfalls auf Rügen, verendeter Katzen noch verdeutliche. So sei die Gefahr jetzt nicht mehr abstrakt und er sei bereit, zur Sicherheit der Menschen, auch die allerletzten Konsequenzen zu ziehen.
Anstatt diese Angelegenheit erst einmal sachlich anzugehen, wie z. B. die österreichische Regierung, die zur Zeit nicht von einer Tierseuche und einer Gefahr für den Menschen spricht und die betroffenen Katzen als Einzelfälle deklariert, wird in Deutschland gleich das bei Kommunen, Gemeinden und Jägern schon immer aktuelle Thema "Abschuss verwilderter Hauskatzen" konkretisiert, wobei ein Großteil dieser Katzen gar nicht verwildert ist, sondern ein Zuhause ihr eigen nennt. In diesem Falle könnten diese ohnehin ungeliebten Tiere endlich mit einem öffentlich gerechtfertigten Grund abgeschossen werden.
Der niedersächsische Geflügelwirtschaftsverband schließt sich dieser Stimmung gegen unsere ungeliebten Mitgeschöpfe gleichfalls an: "Wildernde" Katzen müssten unbedingt abgeschossen werden um so die Verschleppung des Virus zu verhindern. Dass Katzen mit den Geflügelfarmen und außerhalb der Sperrgebiete mit den potentiellen Virenträgern nicht in Berührung kommen, wird dabei natürlich nicht kommentiert.
Hintergrund dieser ganzen Angelegenheit ist, dass die Geflügelzüchter das Aufstallungsgebot nutzen wollen, um das durchgesetzte Käfighaltungsverbot für Legehennen zu kippen. Ferner denkt niemand über die Tatsache nach, dass die Massentierhaltung und das Untermischen von Antibiotika in das Futter zur Entstehung antibiotikaresistenter Mikroorganismen beiträgt. Dadurch könnte es immer schwieriger werden, Infektionen bei Mensch und Tier in den Griff zu bekommen.
Viele Menschen denken nun nur noch an die so genann-te potentielle Gefahr für sich selber, Katzen werden jetzt bequemerweise neben den Vögeln als weitere Ursache allen Übels gesehen, die Hysterie kennt keine Grenzen und hat eine Zielscheibe gefunden, wo jeder seine Ängste ausleben kann, dass ganze darf jedoch nicht das Ausmaß einer polemischen Brandstiftung annehmen. Hier muss nun der Mensch in die Pflicht genommen werden, denn niemand denkt an die qualvollen Lebensumstände des potentiell gefährdeten Geflügels in den Geflügelfarmen.
Dabei ist im Alltag der Übertragungsweg zwischen Mensch und Tier fast ausgeschlossen - zumal in Europa. Entscheidend sind Virendosis und Abwehrkraft. Virologen betonen immer wieder die hygienischen und medizinischen Unterschiede zu Asien, wo Geflügel und Züchter häufig auf engem Raum zusammen leben. So wiederholt denn auch das Europäische Zentrum für Seuchenkontrolle in Stockholm, die Ansteckungsgefahr für Menschen in Europa bleibe gering.
Die Mitarbeiter des Robert-Koch- und Friedrich-Loeffler-Institutes äußern sich in ähnlicher Weise. Auch könne man keine Parallelen zu der so genannten Spanischen Grippe von 1918 ziehen, da die medizinischen, sozialen und politischen Umstände, die vor 88 Jahren herrschten, nicht mit der heutigen Zeit vergleichbar seien. Auch mit dem gleichfalls auf Rügen aufgefundenen infizierten Marder ändere sich die grundsätzliche Einschätzung der Situation nicht. So sind Übertragungen bisher nur durch intensiven Kontakt zu Vögeln bzw. Geflügel bekannt, nicht aber durch Katzen. Da bisher ausschließlich Wassergeflügel, nicht jedoch die bei uns heimischen Singvögel, Virusträger sind, besteht keine Gefahr, wenn eine Katze einen solchen Vogel fängt.
Es besteht daher kein Grund zu voreiligen Panikreaktionen, wie das Aussetzen, Vergiften oder die Abgabe der Tiere im Tierheim. Führen Sie Ihr Leben einfach unter erhöhter Aufmerksamkeit weiter wie bisher. Österreich gibt im Falle der drei infizierten Katzen Entwarnung: 40 Katzen aus dem betroffenen Tierheim wurden bisher untersucht, bei allen fiel das Ergebnis negativ aus und auch bei den drei fraglichen Katzen ergab eine zweite Untersuchung ein negatives Ergebnis. Nach Meinung österreichischer Veterinäre sind Katzen vermutlich in der Lage, mit dem Erreger umzugehen, ihn abzustoßen bzw. nicht weiter zu geben, diesbezügliche Untersuchungen laufen gegenwärtig noch.
Parallel zu seinen zuvor zitierten Aussagen sagt unser Landwirtschaftminister jedoch, er sehe angesichts der im Sommer in Berlin stattfindenden WM keinerlei Gefahr für den Menschen, obwohl bei diesem Ereignis doch Millionen von Menschen aus aller Herren Länder zusammen kommen und alle zu diesem Zeitpunkt schon potentielle Träger des Virus sein könnten.
In diesem Fall bewahrheitet sich wieder das alte Sprichwort: "Geld regiert die Welt" und damit natürlich auch die Politik. Die WM ist ein einträchtiges Milliardengeschäft, das sich die deutsche Wirtschaft und auch die Politiker natürlich nicht entgehen lassen wollen, und angesichts dieser rosigen Aussichten kann man natürlich schnell mal "vergessen", dass man das Virus eigentlich für gefährlich hält und diese Angelegenheit jenseits dieses Ereignisses eigentlich gar nicht so gelassen einschätzt.
Daher appellieren wir wieder wie jedes Jahr: Lassen Sie Ihre Katzen rechtzeitig kastrieren, das verhindert ungeliebten Nachwuchs, der später ein ungewolltes Dasein auf der Straße fristen muss. Wären die Menschen nicht immer wieder so unvernünftig, ihre Katzen unkastriert durch die Landschaft laufen zu lassen, gäbe es die bisher viel zitierten ungeliebten Streuner, wie die auf Rügen, um die sich sonst nur der Tierschutz kümmert, nicht.
Für weitere Auskünfte steht Ihnen die Hotline unseres Kooperationspartners DTHW zur Verfügung:
Dr. med. vet. Tina Kugler, DTHW-Veterinärin, Tel.: 089 - 89 14 66 76 (tierarzt@tierhilfswerk.de ).
|
|
|
|
Frei lebende, betreute Katzen sind keine erhöhte Gefahr
Der Katzenschutzbund Osnabrück e.V. wird zu dieser Zeit überhäuft mit Anfragen zum Umgang mit frei lebenden Katzen an den betreuten Futterstellen und den Katzen, die bei ihren Besitzern die Möglichkeit zum Freigang haben.
Unsere Tipps orientieren sich an den Empfehlungen des Friedrich-Löffler-Instituts und des Deutschen Tierschutzbundes.
Es gibt keinen vernünftigen Grund, Katzen in Tierheimen abzugeben, frei lebende Katzen einzusperren oder gar frei laufende oder frei lebende Katzen zu bejagen.
Eine Ansteckung des Menschen durch infizierte Katzen wurde bisher nicht nachgewiesen. Es liegen auch keine Hinweise dafür vor. Das Friedrich-Löffler-Institut bestätigt, dass Katzen bei der Verbreitung der Infektion epidemiologisch keine Rolle spielen - auch nicht in den Krisengebieten in Südostasien.
Für drastische Maßnahmen, wie Tiertötungen - noch dazu vorsorgliche - oder das Einstellen der Hilfe für frei lebende Katzenpopulationen gibt es keinen Grund.
Selbst bei einem begründeten Verdacht, dass sich eine Katze infiziert hat, gehen die Empfehlungen des Friedrich-Löffler-Institutes nicht dahin, das Tier zu töten. Lediglich der unmittelbare Kontakt mit Speichel und anderen Sekreten, beispielsweise durch sehr enges Zusammenleben, sollte den Empfehlungen nach vermieden werden. Den Besitzern wird dazu geraten, das Tier von anderen Tieren abzusondern und besonders auf Hygiene zu achten.
Einige Tierschutzvereine wurden bereits aufgefordert frei lebende Katzenpopulationen, die sie seit Jahren betreuen und mit Futter- und Kastrationsprogrammen begleiten, einzufangen. Betreute Tiere halten sich ortsgebunden auf und stellen, selbst wenn sie infiziert wären, keine zusätzliche Gefahr für den Menschen dar, da ein intensiver Kontakt zwischen Mensch und Tier nicht gegeben ist. Einfangen und Einsperren bedeutet für die Tiere immensen Stress und Leiden. Darum geht unsere Empfehlung dahin, diese Katzen unbedingt weiter vor Ort zu versorgen. Eine gute Versorgung ist auch Grundvoraussetzung für eine gute Konstitution der Tiere. Je besser ihr physischer und psychischer Zustand, desto widerstandsfähiger und weniger empfänglich sind die Tiere. Bei satten Tieren ist der Jagdtrieb geringer ausgeprägt, die Wahrscheinlichkeit, dass sie sich von Aas ernähren sinkt.
Katzenhalter und Personen, die frei lebende Katzen betreuen, sollten bedenken: Ein Risiko, sich im Ernstfall an einer infizierten Katzen anzustecken, besteht für den Tierfreund bei einem oberflächlichen Kontakt nicht. In Einzelfällen kann es sinnvoll sein, eine solche Katze vorübergehend in der Wohnung aufzunehmen - z. B. in Krisengebieten. Für viele Katzen ist es möglich, sich umzustellen, zumal solche frei lebenden aber betreuten Katzen häufig schon an die Wohnung gewöhnt sind. Das Einsperren in die Wohnung ist natürlich mit erheblichen Einschränkungen für die Katze verbunden. Bleiben Sie konsequent, auch wenn die Katze anfangs unruhig ist oder zeigt, dass sie raus will. Verbringen Sie viel Zeit mit dem Tier, sorgen Sie für Ablenkung (Spielen) und Klettermöglichkeiten. Evtl. lassen sich auch Balkone oder ein Teil des Gartens so abschirmen, dass Ihre Katze wenigstens etwas raus kann. An das häufige Reinigen der Toilette ist zu denken. Treten bei Ihrer Katze Symptome wie Mattigkeit und Fressunlust auf, sollte ein Tierarzt aufgesucht werden. Dieser klärt ab, welche Erkrankung vorliegt.
|
|
© by tierschutz.net
|
|